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Kurt Schmid-Ehmen
1901-1968


 
Zeittafel:
1901 
Am 23. Oktober in Torgau a.d. Elbe geboren
1918  
Abitur am Gymnasium Bitterfeld
1918  
Eintritt in die Bildhauerklasse von Prof. Adolf Lehnert, an der Akademie für graphische Künste und Steinbildhauer, Leipzig
1921-1924
Lehre als Steinmetz und Steinbildhauer in Weimar
1925-1931
Studium der Meisterklasse von Prof. Bernhard Bleeker, an der Akademie der Bildenen Künste, München
1928 
Preis der Akademie zum Thema „Arbeit“
1929
Belobigung der Akademie zum Thema „Sport“
1928
Ankauf des Portraits „Chinese“ durch die Städt. Galerie im Lenbachhaus, München
1932
Ankauf des Portraits „Dr. Josef  Ponten, Schriftsteller“ durch die Stadt Aachen
1934 
Ankauf des Portraits „Herta“ durch die Städt. Galerie im Lenbachhaus
1937 
Grande Prix der République Francaise, im Rahmen der Weltausstellung in Paris 1937
1935-1967
Ausstellungen in Polen, Italien, Jugoslawien, Frankreich, Österreich und Deutschland in München, Nürnberg, Halle, Berlin
1948-1968
Rege Schaffensperiode als Bildhauer von Portraits, Grabmäler und figürlicher Werke an seinem neuen Wohnort Starnberg, Oberbayern
1962  
Auftragsarbeit eines Mutterbrunnens für das Altersheim in Schweinfurt, durch den Kunstmäzen Dr. Georg Schäfer
1968 
Am 15. Juli in Starnberg gestorben


Ein Bildhauer des 20. Jahrhunderts

Kurt Schmid-Ehmen zum 100. Gerburtstag

Kurt Schmid-Ehmen wurde am 23. Oktober 1901 in Torgau a/E. geboren.
An seiner Entwicklung lassen sich die großen Umbrüche in Kultur und Gesellschaft des 20. Jahrhunderts ablesen.

Kurt Schmid-Ehmen war einer der Künstler, die schon überraschend früh das unausweichlich vorgegebene Ziel unverrückbar vor Augen hatten und sich den Weg dahin trotz aller Widerstände von außen und schwerer Notzeiten erkämpft haben. Kurt Schmid-Ehmen, dessen Geburtstag sich 2001 zum 100. Male jährt, starb im Alter von 66 Jahren.

Der Besuch der Zeichenklasse der „Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe“ in Leipzig verschaffte ihm grundlegende Kenntnisse in der Anatomie, Schulung des Auges und Sicherheit der zeichenden Hand. Das Jahr 1922 brachte den Durchbruch seiner eigentlichen elementaren Begabung und damit den Wechsel in die Bildhauerklasse der Akademie zu Professor Lehnert.

Lichtbilder erster Auftäge für figürliche Darstellungen, Portraitsplastiken, Grabmale und Gefallenengedenkstätten zeigen die rasche Entfaltung vorhandener Talente in diesen fruchtbaren Studienjahren.

Die Notwendigkeit, in jenen Inflationszeiten sein Studiengeld im wesentlichen selbst zu verdienen, brachte den jungen Bildhauer in unmittelbare Berührung mit den Arbeiterschichten der heimatlichen Industrie; er sah ihre soziale Lage, ihre menschlichen Probleme. Daraus resultierende Tiefe und nachhaltige Eindrücke fanden ihren ersten Niederschlag in ungemein lebendiger Formung.

Da ist beispielsweise die Plastik „Pflasterer“, die ihn als Symbol der Arbeit in den folgenden Jahrzehnten zu drei verschiedenen Versionen trieb (die erste noch unter dem unbewussten Einfluss der Formensprache von Käthe Kollwitz und Ernst Barlach). An den drei Ausformungen lässt sich die allmähliche Wandlung seiner Ausdrucksmittel verfolgen: die Oberflächenbehandlung immer mehr von malerischen Effekten weg hin zu spannungsgeladener Vereinfachung der Form – ohne sie zu „entleeren“ – zu entwickeln und so zum eigentlich Plastischen zu gelangen.

Drei Varianten des Themas „Menschenpaar“, alle als Hochreliefs modelliert, geben über verschiedene Schaffensperioden hinweg Kunde von wachsender Reife und Verinnerlichung, der sich mehr und mehr leise Melancholie beimischt. Das erste dieser Reliefs entstand bereits in den zwanziger Jahren, das letzte 1942 und blieb zunächst als Modell in Gips erhalten, bis es schließlich 1958 in Bronze gegossen werden konnte.

1925 gelang Schmid-Ehmen die Übersiedlung nach München. Hier trat er in die Meisterklasse  von Bernhard Bleeker ein, dessen starke künstlerische Persönlichkeit über alles Handwerkliche hinaus die Wege wies – anknüpfend an die Hildebrandsche Tradition - , vermittels höchstmöglicher Beherrschung alles Technischen klare, chrakteristische Aussage zu erreichen. 

Es begann eine von Schaffenslust und Schaffenskraft erfüllte Epoche, Schmid-Ehmen wurde sich seiner beonderen Fähigkeiten auf dem Gebiet der Porträtkunst bewußt. „Es gibt nichts, was aufregender und interessanter ist als das menschliche Gesicht“, sagte er selbst.
 
Sein ganzes Leben lang blieb ihm dieses leidenschaftliche  Beteiligtsein beim Modellieren eines Kopfes erhalten. Stets auf das Wesentliche bezogen, erweisen alle seine Porträts ein hohes Maß an genauester Erfassung der Naturerscheinung und seine nachtwandlerische Sicherheit im Erfassen der hinter dem Äußeren verborgenen „Innenseite“ des jeweiligen Modells. Damit wurde er für den Betrachter kompetenter Vermittler der geistig-seelischen Atmosphäre, die eine Person umgibt.
Büsten von seiner Hand finden sich in allen Teilen Deutschlands, in der Schweiz, in Schweden, in Österreich, auch in Übersee. Bedeutende Männer der Wissenschaft, Politik und Kunst, darunter der bekannte Pianist Josef Pembauer, der Komponist Walter Courvoisier, die Dichter Heinrich Zillich und Herbert Böhme wurden von ihm modelliert. Die Städtische Galerie im Lenbachhaus, München, kaufte bereits 1928 die Büste eines Chinesen, später den Mädchenkopf „Hertha“, die Stadt Aachen 1932 das Porträt des Schriftstellers Josef Ponten.
Erfolgreich beschickte Ausstellungen im In- und Ausland sowie Preise bei Wettbewerben machten den Namen Schmid-Ehmen mehr und mehr bekannt.

Mädchen- und Frauenfiguren zeigen die klassische Gesinnung ihres Bildners. Auch bezeugen die nach dem Krieg geschaffenen figürlichen Plastiken, daß Schmid-Ehmens Kraft nicht gebrochen war, ja noch einmal zur Blüte kam. Dies beweisen u.a. sein „Mutterbrunnen“ mit seiner reichen Symbolik und das Spätwerk „Trauernde“ mit seiner überwältigenden Ausstrahlung.

Die Gestaltung eines monumentalen „Phönix“ mit 3,50 m Flügelspannweite, als gußfertiges Gipsmodell zwei Monate vor seinem Tode vollendet, strahlt alles Können, Fühlen und Denken  von Kurt Schmid-Ehmen aus. 1990 konnte das Werk in Bronze gegossen werden und steht bereit, an einer entsprechenden Außen- oder Innenwand als unvergleichliches Symbol für die Kraft der Selbsterneuerung zu dienen.